Einzelfallhilfe in der Krise

25. Juni 2009 von howi in Aktuell, Life+ 3 Kommentare

Die Finanzkrise geht auch an der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) nicht vorbei: Für Menschen mit HIV/Aids in Deutschland steht in diesem Jahr sehr viel weniger Geld zur Verfügung als 2008. „Sinkende Einnahmen zwingen uns dazu, unsere Unterstützung auf die Bedürftigsten zu konzentrieren“, sagt Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der DAS.

Kapitalerträge sinken drastisch seit 2008

300.000 Euro hat die DAS im laufenden Jahr für die Einzelfallhilfe eingeplant. Im Jahr 2008 konnte sie noch 650.000 Euro verteilen. Der Grund für den starken Rückgang liegt vor allem in gesunkenen Kapitalerträgen. Im Jahr 2008 erwirtschaftete die Hilfsorganisation mit Wertpapieren und Aktien 275.000 Euro weniger als im Jahr davor. Das schlägt nun auf das Budget durch.

In der Praxis wird dies nach Aussage der Stiftung bedeuten, dass Einzelfallhilfen weitgehend auf finanzielle Unterstützung im medizinischen und pflegerischen Bereich beschränkt werden müssen: Einen Rollator wird man zum Beispiel auch weiterhin bewilligt bekommen, eine Urlaubsreise nicht.

Zugleich soll eine „effektivere Vergabe“ der Mittel erfolgen. Sie werden verstärkt für Projektangebote in bestimmten Handlungsfeldern eingesetzt werden. Dazu zählt vor allem das Betreute Wohnen. Hier sei eine steigende Nachfrage zu verzeichnen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Deutsche AIDS-Stiftung hat schon seit einigen Jahren Einbußen durch sinkende Zinssätze bei Wertpapieren zu beklagen. Wenn Wertpapiere ausliefen und das Geld neu angelegt werden müsse, bekomme man heute deutlich schlechtere Zinskonditionen als früher, erklärt Volker Mertens, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der DAS. Bis vor kurzem habe man die Defizite noch durch Gewinne aus Aktien kompensieren können. Das sei nun durch die Folgen der Finanzkrise nicht mehr möglich.

Aktienwerte der Stiftung sind um 780.000 Euro gesunken

Ganz im Gegenteil: Die Aktien der DAS sind im letzten Jahr um 780.000 Euro im Wert gesunken. Die Gesamtbilanz der Stiftung weist darum unterm Strich ein entsprechendes Minus auf. Da die betroffenen Aktien bislang nicht verkauft wurden, kann sich dieser Verlust allerdings wieder reduzieren, wenn die Wirtschaftslage sich bessert.
Die DAS hat ihr Geld nach eigenen Angaben „konservativ“ zu etwa 80 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, die restlichen 20 Prozent in Aktien beziehungsweise Aktienfonds.

Beim Blick auf die Bilanz der DAS wird das Dilemma bei der Einzelfallhilfe nicht sofort deutlich. Die Erträge aus Spenden und Benefizerlösen sind im Jahr 2008 nämlich sogar um 295.000 Euro gestiegen. „Viele der Zuwendungen sind aber zweckgebunden, erläutert Volker Mertens, „etwa für internationale Hilfsprojekte“. Außerdem sei eine Erbschaft von 400.000 Euro in der Summe enthalten. Auch die sei zweckgebunden, und man könne erst im kommenden Jahr darüber verfügen, da es sich um eine Immobilie handele.

Die Deutsche AIDS-Stiftung hat auf die neue finanzielle Situation auch mit Einsparungen innerhalb der Organisation reagiert.