Kai von der Becke ist seit längerem Praktikant in der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen AIDS-Hilfe. Im d@h_blog berichtet er über seine Erfahrungen.
Ich möchte mich erstmal kurz vorstellen: Mein Name ist Kai und ich bin 28 Jahre alt, komme aus Berlin und bin beidseitig ertaubt. Doch mit der Hilfe von einem Cochlear Implant (www.cochlear.com) kann ich wieder hören. Aus diversen gesundheitlichen Gründen mache ich momentan in Schwerin eine Weiterbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen. Die gesundheitlichen Gründe beziehen sich darauf, dass ich seit 2003 HIV+ bin und durch eine Tumorerkrankung ziemlich aus dem Gleichgewicht gebracht worden bin. Ich bin am Morbus Hodgkin erkrankt und habe eine starke Chemotherapie hinter mich gebracht.
Gesundheitlich war ich schon sehr aus der Bahn geworfen.
Die Weiterbildung mit Kammerabschluss dauert zwei Jahre. Die Theorie wird mir in Schwerin vermittelt und die praktischen Erfahrungen hole ich mir vorwiegend in Berlin. In der Schule in Schwerin lerne ich mit hörenden und gehörlosen Menschen gemeinsam – was auch eine ziemlich interessante Mischung ist und ich mir nebenbei noch Kenntnisse in der Gebärdensprache aneignen kann.
Mein Entschluss ein Praktikum bei der Deutschen AIDS-Hilfe zu absolvieren, hatte damit zu tun, dass ich mich selber später gerne in diesem Bereich beruflich weiterentwickeln möchte. Und teils denke ich auch immer, dass Arbeit einen Sinn machen muss – nicht profitorientiert sondern eher dem Gemeinwohl zu Gute kommen soll. Aufgrund meines bisherigen Berufes war ich auf das Thema HIV/Aids schon vorbereitet.
Letzte Woche hatte ich also meinen ersten Arbeitstag und wurde dem Pressesprecher Jörg Litwinschuh zugeteilt. Öffentlichkeitsarbeit und Presse interessieren mich sehr – da ich momentan den theoretischen Stoff im Bereich Marketing in der Schule behandele.
Jörg nahm mich eigentlich ziemlich freundlich und herzlich in seinem Arbeitsbereich auf. Wir beide haben uns auf Anhieb verstanden und beim ersten Rundgang durch die Gemächer der DAH stellte er mich dem ganzen Team der DAH vor. Ich bekam echt den Eindruck, dass die Arbeitsstimmung hier ziemlich entspannt und locker zu geht. Sicherlich erleichtert das „Duzen“ auch die tägliche Umgangsform. Ich passte mich also entsprechend den Sitten an und duzte dann praktisch auch jeden.
Jörg wollte mich langsam für das Thema Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren und gab mir am Anfang einen leichten Arbeitsauftrag:
Man kann immer voneinander lernen
Ich sollte Pressevertreter zum Empfang der DAH einladen. Das war für mich ne ganz tolle Sache – denn gleich vom Anfang an durfte ich selbstständig arbeiten. Ich hatte Spaß daran die Einladungen jedes Mal anders zu formulieren. Aber eins ist schrecklich: bekommt man nur wenig Rückmeldungen, fragt man sich nach dem Sinn der Sache. Jörg kann ziemlich gut und geduldig erklären. Ich muss es ihm auch hoch anrechnen, dass er sich extra bemüht langsam zu sprechen. Er selbst ist immer in der Meinung er redet zu schnell – aber wie gesagt: Man kann immer voneinander lernen.
An den Arbeitsablauf gewöhnte ich mich langsam – ich bekam immer mehr und mehr Aufgaben und inzwischen stapeln sich in der zweiten Woche die Arbeitsaufträge. Aber ich bin froh, dass es überhaupt Arbeit gibt und man mir hier die Chance bietet – etwas Berufspraxis sammeln zu können. Einen besseren Praktikumsplatz kann man eigentlich gar nicht haben.
Ich bin froh, dass man mir hier eine Chance bietet
Schon in der zweiten Woche, nun bin ich ziemlich routiniert und kenne mich auch so langsam aus – habe auch Mailkontakt zu anderen Mitarbeitern der DAH und ich bin froh, dass ich hier jeden um Hilfe fragen kann und man mir auch geduldig Auskunft erteilt. Eigentlich bin ich ja noch nicht lange hier – aber ich fühle mich so – dank dem ganzen Team der DAH – als würde ich schon länger hier arbeiten
Nun habe ich bereits den Welt-Aids-Tags-Empfang der DAH miterlebt und schon bald kommt der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Ich muss zugeben, ich bin wirklich zu einem guten Zeitpunkt hier.
Inzwischen bin ich auch relativ selbstständig und habe mein eigenes Postfach und kann meine Post fast selbst beantworten und leite die notfalls an Jörg weiter, wenn ich nicht weiter weiß. Oder ich schicke eine Mail an unsere Anmeldungsdame Kerstin. Sie hilft mir auch immer weiter.
Am Tag vor dem Empfang sah unserer Büro wie eine Lagerhalle aus – überall stapelten sich Kartons mit Material zum WAT–Empfang. Ich musste noch schnell die Namensschilder mit diesen Plastikknipser versehen. Dummerweise gab es im ganzen Hause kein Gummiband mehr – so dass ich in den Versand bei strömenden Regen lief und mir dort welche geben ließ.
Am Tag des Empfanges sollten wir mit Jörg´s Auto (einer kleinen Kiste) zu viert vollgepackt mit Anzügen und Körben zum Atrium der Deutschen Bank fahren – was sich als ziemlich unbequem herausstellte. Im Atrium angekommen, machte ich mich ans Sortieren der Namensschilder an dem Empfangstischen. Und teils half ich den anderen etwas bei Aufbau. Danach durfte ich früher gehen, weil ich mich noch umziehen wollte. Ich kam dann so gegen 18 Uhr und musste feststellen, dass es kaum Sitzplätze gab. Das war für mich ein bisschen unangenehm – und die wenigen, die frei waren – waren von älteren Personen besetzt…
Stehen – Tino Henn hielt eine tolle Rede über Stigmatisierung. Ich verstand jedes Wort das er gesagt hatte. Das war selbst für mich etwas ungewöhnlich. Die andere Laudatio auf Rainer Jarchow habe ich auch gut verstanden. Dann endlich immer in der Zwischenpause kamen drei Geigenspieler – von denen ich mal sagen muss – dass die Musik nicht so toll rüber kam. Was aber wohl am Atrium mit seinem hohen Decken lag.
Endlich Fingerfood – meine Begleitung hatte Hunger und ich musste meine Portionen ihm weitergeben. Ich blieb dann nur noch bis zur Peter Wöhrler und Band und anschließend ging ich einen Kaffe trinken.
Fazit: Viel wurde geredet auf dem Empfang – aber ich habe vieles verstanden – daher war es ganz gut für mich. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass schwule Männer deutlich und betont reden.
Die Vierte Woche – meist sitze ich alleine im Büro und kümmere mich momentan um die Einladungen für den 2. Journalistenworkshop. Ich schreibe die Einladungen, versuche die möglichen Kontaktdaten von Ansprechpartnern zu finden. Bis jetzt habe ich bestimmt über 100 Einladungen verschickt und nur wenige Rückantworten bekommen. Man gewöhnt sich daran – dass viele es nicht für notwendig halten eine kurze Absage zu schicken…
Mein Interview für ein Jugendmagazin
In der Zwischenzeit gab ich noch ein Interview für ein Jugendmagazin aus der Nähe von Mainz – das war mal was ganz aufwühlendes – denn sie wollte viel über meine Gedanken und Erfahrungen mit HIV und AIDS wissen. Das Interview findet ihr hier.
Mit Jörg und den anderen komme ich ziemlich gut klar – vor allem mit Jörg – bisweilen unterhalten wir uns oft am Arbeitsplatz und schicken uns Mail mit wichtigen Informationen. Ich bin in der Meinung die Zusammenarbeit harmoniert richtig.
Am Freitag letzter Woche durfte ich mit 2 anderen (Holger/Olaf) im Axel Hotel eine Vernissage mit Bildern von Russischen Künstlern aufhängen. Das blöde war einfach nur, dass die Bilder ohne Schnur und so geliefert waren – so dass wir uns zu dritt erstmal in den Baumarkt bewegen mussten. Komische Erfahrung – drei Schwule im Baumarkt
.
Letztendlich konnten wir uns nach langen hin und her endlich entscheiden wo die Bilder genau im Axel Hotel aufgehängt werden sollen. Dann konnten wir uns manchmal nicht entscheiden, ob die Bilder nun gerade oder ungerade hingen. Im Showraum lief eine Travestie-Show – was die Konzentration von uns etwas flöten gehen ließ. Kurz nach 22 Uhr waren wir endlich fertig mit 28 Bildern aufhängen – obwohl wir um 15:00 angefangen hatten.
Zwei Wochen bin ich noch hier und bin mal gespannt was alles auf mich noch zukommt. Wenn es wichtiges neues kommt – dann lasse ich es euch wissen.
Teil 2 | 24.11.2009
Jetzt befinde ich mich in der vorletzten Woche und langsam beginne ich die Arbeit hier zu vermissen. Ich werde leider nicht am Welt- AIDS-Tag in Berlin weilen – sondern im Unterricht in Schwerin. Ich bekam keine Freistellung von meiner Schule. Wirklich sehr schade.
In dieser Woche gibt es bezüglich des zweiten Journalistenworkshops eine Menge zu tun. Wenn Jörg da ist – geht es echt „heiß“ rum in unserem Büro. Einige Teilnehmer hatten zu beginn dieser Woche nicht mal ein Hotelzimmer und kommen mit diesem Thema bei uns 4 Tage vor beginn des Workshops an. Andere wussten nicht ob die Veranstaltung kostenlos ist – dabei haben wir es extra in unseren vielen Einladungen betont.
Heute habe ich den Raum vorbereitet und Tische für die Mittagsmahlzeit in den Flur geschoben – Stühle aus anderen Büros gehamstert. Für die Namenskarten habe ich extra an meinem Computer gesessen und diese auf Pappe ausgedruckt – und ausgeschnitten wie geknickt. Hätte gar nicht gedacht – dass ich mich in meiner Freizeit noch mit der Arbeit beschäftige. Aber das liegt wohl auch daran – dass ich mich einfach wohlfühle und meine Arbeit von allen hier auch geschätzt wird. Jörg bedankt sich nach jedem Dienst Tag bei mir. Was in meinen letzten Praktika gar nicht vorgekommen ist. Das weiß ich sehr zu schätzen und denke es motiviert mich auch sehr.
Inzwischen hab ich auch etwas im Büro aufgeräumt – damit das Regal mal etwas Ordnung hat. Für Jörg habe ich dann einige Pressemappen vorbereitet – und auch Jahrbücher und anderes Material in seinem Büro ordentlich deponiert – so dass er nicht immer nach vorne zum Infostand laufen muss.
Gestern haben wir noch die Photos vom Empfang ausgewertet und leider haben wir kaum brauchbare Bilder gefunden – keins von der Rede von Tino Henn, keins von Winfried Holz oder geschweige von Frau Pott. Meist sieht man die Teilnehmer des WAT-Empfanges nur von hinten. Einige waren doch dann brauchbar – aber vorwiegend Beschäftigte der Deutschen AIDS Hilfe e.V zu fotografieren – in den verrücktesten Positionen – ist auch nicht vom Vorteil wenn man die Bilder auch noch veröffentlichen will. Jörg und ich saßen bis in den Abend am PC. Sein Laptop hat an dem Abend scheinbar nicht richtig funktioniert – zu lange dauerte das Laden von den Bildern und das kopieren. Und dann hing seine Mailbox auch noch. Gründe etwas unruhig zu werden. Oder einen neuen Laptop zu besorgen
Heute war der 2. Journalistenworkshop – und es war sehr voll in dem kleinen Raum. Aber aus meiner Sicht fand ich diesen Workshop für mich persönlich sehr interessant – da ich mein Wissen und HIV und AIDS erweitern konnte. Es war zwar auch etwas anstrengend für mich – weil ich vielen Leuten zuhören musste. Aber da bin ich nochmals gut durchgekommen. Persönlich fand ich den Workshop sehr lehrreich und denke solche Workshops sind gut für Journalisten, die sich Material und neueste Informationen holen wollen.
Nach dem Workshop sprach mich Peter Henselder vom OKB Berlin an – er fragte mich ob ich Interesse hätte, daran mich an einer TV-Diskussion zum Thema „ AIDS ist ein Massenmörder“ ( ausgelöst durch einen Werbespot des Regenbogenverein) beteiligen möchte. Teils als Vertreter von Schwerhörigen und Gehörlosen Menschen. Ein TV Auftritt während des Praktikums – ausgerechnet das. Das hätte ich mir eigentlich nicht vorstellen könnten – aber ich muss mal sagen, Überraschungen beleben das Leben. Und ich könnte für den späteren Beruf praktische Erfahrungen im Umgang mit der Presse sammeln. Vor allem auch meine Kommunikationsfähigkeit ausbauen. Jörg war sehr begeistert von diesem Angebot – zumal ich auch die Sicht der Deutschen AIDS Hilfe e.V vertrete – dieser Spot ist absolut ein Griff in die Kloschüssel. Ein Verein sollte anstatt Panik schüren lieber Prävention und Umgang mit der Krankheit zur wichtigsten Aufgabe machen. Ich werde mich die nächsten Tage mal weiter informieren. Will ja gut vorbereitet hin gehen
. Das wird bestimmt ein spannender Tag der 01.12.2009.
Und ein Öffentlicher Auftritt macht sich bestimmt gut im Lebenslauf. Meine Diskussionsteilnehmer werden ein Journalist und Rainer Jarchow sein. Mal schauen ob das Wochenende schlafen kann.
Nächste Woche bekomme ich ein Exemplar der Zeitschrift mit meinem Interview
Dann habe ich was zur Erinnerung.
Gestern bekam ich noch eine Mail von Carolin Vierneisel, sie fragte mich ob ich nicht Lust hätte mich an der Tagung am Wochenende zu beteiligen. Es geht um internationale Kontakte auch bei Gehörlosen usw. Mal gespannt was das bringt.
So ich werde am 02.12.2009 wieder hier reinschreiben und meine letzten Eindrücke und aufregenden Erfahrungen euch mitteilen.
Teil 3 | 27.11.2009
In den letzten Tagen passierte hier sehr viel. Ich erkundigte mich danach wie die Lage bei den HIV+ Gehörlosen aussieht. Was zum Beispiel die Präventionsprogramme und Dienstleistungen im Hinblick auf HIV und Gehörlose Menschen bieten. Ich musste feststellen, dass es fast kein richtiges Netzwerk in Deutschland dies bezüglich gibt.
In Amerika gibt es ein sehr gut ausgebautes Netzwerk für an HIV erkrankte Menschen. Diese Gehörlosen Menschen sind in den Staaten unter den Disability Act geschützt und haben rechtliche Ansprüche auf medizinische, beratungstechnische Angebote. Das sollte auch in Deutschland erreicht werden und habe ich mir nun zum Ziel gemacht.
Ich sprach mit Dirk Sander und wir stellten fest, dass es ein Gehörlosen – Informationstreffen gab – es wurde ausdrücklich meine Anwesenheit erwünscht – aber leider ging dies irgendwie unter. Für die Zukunft planen wir eine aktive Einbeziehung meinerseits in dieses Projekt.
Ich habe mich heute informiert was es alles an Dienstleistungen und Präventionsprogramme gibt, mich mit Zahlen zugestopft. Die Dunkelziffer der an HIV/Aids erkrankten Gehörlosen ist ziemlich hoch. Da muss entgegengewirkt werden. Da ich angehender Kaufmann im Gesundheitswesen werde – ist eine meiner kaufmännischen Aufgaben auch – Konzepte, Projekte zu gestalten und auszuarbeiten. Sehr gerne möchte ich in der Zukunft eine Rolle in dieser Sache übernehmen. Mal schauen – was die Zukunft bringt. Auf jeden Fall möchte ich mich in meinem zweiten Praktikum mal mit Martin Westphal auseinandersetzen und die Möglichkeiten besprechen.
Dieses Wochenende besuche ich eine Tagung: Expert Meeting of Prevention on MSM. Dort sind auch einige russische Vertreter anwesend. Ich will mit denen ins Gespräch kommen und mich auch über die Situation Gehörloser Menschen in Russland informieren. Um ein paar Ideen für mein Konzept zu sammeln. Das klingt alles sehr aufregend für mich – aber ich glaube ich habe meine Berufung gefunden und fühle eine unglaubliche Energie in mir.
Die Ausbildung wird mir immer wichtiger – denn vielleicht kann ich später mal hier anfangen zu arbeiten. Die Unterstützung von Jörg motiviert mich sehr.
Ich werde nächste Woche über die Tagung berichten und wie die Gespräche mit Alexander und Dirk bezüglich des Projektes „ Gehörlose und HIV“ verlaufen ist.
Teil 4 | 3.12.2009
Letzter Tagebucheintrag im Praktikum
Heute ist mein vorletzter Tag während meines Praktikums. Dank der Unterstützung meiner Schule durfte ich etwas länger bleiben. Vor allem auch damit ich den Welt–AIDS–Tag miterlebe. Viel hatte ich aber nicht davon. Obwohl ich mich gestern etwas über die Berichterstattung des ZDF im Heute Journal aufgeregt hatte. Dort wurde nur verkündet, kurz und knapp: Die Infektionszahlen sind angestiegen. Und hier ein Beispiel über Präventionsarbeit in Kenia. Dort lernen Jugendliche in einem Computerspiel. Wie man sich vor HIV schützen kann und man wird in diesem Spiel aufgefordert seinen HIV- Status durch einen Schnelltest herauszufinden. Und das war es vom ZDF. Na, ich hätte mir schon gewünscht, dass die Situation in Deutschland etwas erwähnt wird – und auch bzw. die Arbeit der AIDS-Hilfen Anerkennung bekommen. Eine Berichterstattung nur über Kenia finde ich etwas einseitig.
In den letzten Tagen beschäftigte ich mich mit den Kampagnen der Deutschen AIDS-Hilfe. Bzw. die „ Ich weiß was ich tu“ – Kampagne, oder die geplante Kampagne „HIV und Arbeit“. Ich persönlich finde die IWWIT Kampagne auch auf mich ansprechend – die Informationsseite ist voller nützlicher Informationen und bietet den Menschen eine Plattform zum interaktiven Austausch. Teils kommt die Kampagne auch sehr „jung“ rüber und spricht aber auch ältere Menschen an – modern eben. Diese flotten Sprüche auf dem Kondompackungen finde ich „geil“.
Viele Menschen haben ein veraltetes Bild von HIV und AIDS
Die andere Kampagne, sich mit dem Thema HIV und Arbeit auseinander zu setzen, finde ich sehr sinnvoll. Ich kann mir persönlich sehr gut vorstellen, dass man die Krankheit heute verheimlicht, weil man Angst um den Arbeitsplatz oder Stigmatisierung hat. Leider ist es doch heute noch so: Viele Menschen haben ein veraltetes Bild von HIV und AIDS. Mit HIV hat man heute eine viel längere Lebenserwartung und es ist gut behandelbar – bei rechtzeitigem Therapiebeginn. Aber es ist auch immer so eine Kopfsache – wie sehr man sich selbst mit der Krankheit auseinander setzen kann – und ob man ein gewisses Selbstbewusstsein in Bezug auf seine Infektion hat. Und auch die notwendige Unterstützung im familiären oder Freundschaftlichen Kreis hat.
Das man HIV nicht unbedingt mit AIDS vergleichen kann – ist irgendwie logisch – es sind weniger Menschen an AIDS verstorben in den letzten Jahren. Auch weil die Medizin große Fortschritte gemacht hat. Und die Zahl der Neuinfektionen ist stabil. Das zeigt mir auch, dass die AIDS–Hilfen die richtigen ansprechenden Kampagnen entwickeln. Die Zahl der Neuinfektionen ist immer noch zuviel, denke ich – aber man ist auf einem guten Weg.
Die Problematik besteht sicher auch, dass viele HIV-Positive ihre Krankheit verheimlichen aus Angst vor Stigmatisierung und Kündigung. Viele denken immer noch, dass HIV hoch ansteckend ist und es gibt Arbeitsgeber und Arbeitskollegen, die in Bezug auf diese Krankheit uninformiert sind. Jetzt geht es darum, diese Menschen aufzuklären, dass man mit HIV auch beschäftigt sein kann und die gleiche Leistung erbringen kann wie ein „gesunder“ Mensch. Sicher ist: es gibt auch mal Krisen und man ist öfters Krankgeschrieben als ein „gesunder“ Mensch. Und man muss den Menschen auch klar machen, dass die größte Ansteckungsgefahr bei Sexualverkehr ohne Präservative besteht. Und nicht beim täglichen Miteinander oder Zusammenarbeiten.
Ich fühlte mich schlecht und abgestempelt
Ich persönlich habe mal die Erfahrung gemacht, dass eine Frau bei der Arbeitsagentur sich ihre Hände und ihren Tisch „desinfizierte“ nachdem ich bei ihr zur Beratung gewesen bin. Da fühlte ich mich echt schlecht und abgestempelt. Etwas zu nagen hatte ich auch daran.
Ein anderes mal wurde ich von einer Schule abgelehnt – weil meine Infektion bekannt war. Das BBW Berlin–Brandenburg setzte mich damals dermaßen unter Druck, so dass ich meine Infektion zugeben musste. Doch anstatt es für sich zu behalten, plapperte die zuständige Dame es weiter. Ich wusste mich nicht zu wehren und konnte nur akzeptieren, dass diese Schule mich nicht wollte. Aber offen zugegeben haben Sie es nicht. Es gab eine Fadenscheinige Absage.
Aber dank der hartnäckigen Vermittlung meiner Arbeitsagentur – der Vermittler weiß über meine Infektion Bescheid – bekam ich einen anderen Schulplatz. Und mein Vermittler hat es meiner Schule nicht mitgeteilt – nur dass ich schwer chronisch krank bin. Aber die genaue Erkrankung verschweigt er bis heute. Aber solche informierten Menschen, die mir trotz meiner Erkrankung die Chance auf berufliche Weiterbildung geben, solche Menschen gibt es zu wenig. Ich bin meinem Vermittler dankbar, dass er mich über die Jahre stark unterstützt hat.
Von den rund 67.000 HIV-Positive, gehen immerhin rund 2/3 einer regelmäßigen Beschäftigung nach. Das spricht doch für sich. Der Öffentlichkeit ein neues Bild bezüglich HIV und AIDS zu verschaffen ist ein sehr wichtiges Ziel, denn im Laufe der Jahre hat sich das Bild ja auch gewandelt. Man muss die Ängste um das Thema HIV und AIDS abbauen.
Wichtig finde ich auch, dass HIV-Positive ermuntert werden – im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten – eine Beschäftigung aufzunehmen. Denn wenn man das Gefühl hat, dass man gebraucht wird und dass die Arbeit geschätzt wird, kann aus meiner Sicht sicherlich das Selbstbewusstsein HIV positiver Menschen steigern und ist sicherlich förderlich für die eigene Gesundheit und soziale Lage.
Dies sind nur meine persönlichen, eigenen Gedanken zu diesem Thema. Es soll zeigen, dass ich mich intensiv mit der Arbeit der AIDS-Hilfen auseinander setze. Und das ich versuche, meine persönlichen Gedanken in diesem Blog niederzuschreiben.
Auftritt im Offenen Kanal Berlin mit Rainer Jarchow
Gestern hatte ich meinen TV-Auftritt beim OKB/ALEX. Es war mir eine Ehre Rainer Jarchow kennenzulernen und mit diesem habe ich mich auch sehr gut verstanden.
Der Auftritt im TV war eine gute Erfahrung, auch wenn ich mich etwas hintergegangen gefühlt habe. Denn ich bekam vor dem Auftritt eine E-Mail, mit den mir zu stellenden Fragen, auf diese bereitete ich mich auch vor. Jedoch kamen in der Sendung ganz andere Fragen, so dass mir doch mein Alptraum passierte: Ich verhaspele mich LIVE. Na ja, wir sind auch nur Menschen und man kann Fehler machen.
Komischerweise wusste ich nicht, dass es 2 Spots zur Propaganda „AIDS ist ein Massenmörder„ gibt. Eine Musikversion und eine Videoversion, die die großen Diktatoren beim Sexualverkehr zeigen. Ich bereitete mich auf das letztere vor, aber dies kam nicht dran. Insgesamt muss ich mal zugeben, dass es schon eine etwas sehr einseitig gestaltete Sendung war, aber wie dem auch sei: Ich habe etwas über öffentliche Auftritte gelernt und beim nächsten Auftritt werde ich einen genauen Fragenkatalog anfordern, so dass es keine Missverständnisse entstehen.
In den letzten Tagen widmete ich mich verstärkt mit dem Sammeln von Informationen über die Situation Gehörloser Menschen, die an HIV und AIDS erkrankt sind. Leider gibt es diesbezüglich sehr wenige Zahlen. Dies liegt daran, dass es bei einem positiven Testergebnis nicht abgefragt wird, ob dieser Mensch gehörlos ist oder nicht.
Gehörlose in Prävention einbeziehen als Zukunftsaufgabe
Ferner stellte ich fest, dass es früher mal aktive Initiativen in Deutschland gab – diese aber eingeschlafen sind – wohl auch weil Gehörlose diese Angebote nicht unbedingt wahrgenommen haben. Warum nicht – dass muss man herausfinden und wie man die Botschaft „HIV ist ansteckend und Leben mit HIV„ an die Gehörlosen Menschen rüberbringt. Dies habe ich mir zu einer meiner Zukunftsaufgaben gemacht. In diesem Bereich möchte ich gerne etwas bewirken und auch das Vertrauen der Gehörlosen Menschen gewinnen und diese aktiv in die Prävention einzubeziehen.
Mit dem Deutschen Gehörlosenverband bin ich inzwischen im Kontakt und dieser unterstützt das Vorhaben und will auch mit Hilfe und Ratschlägen zur Seite stehen. Von den Vereinen kam ein positives Echo und man wünscht sich sehr, dass das Thema wieder aktuell wird unter den Gehörlosen. Denn das Problem ist leider auch: Viele verfügen nicht über das nötige Wissen im Umgang mit HIV und AIDS. Das liegt teilweise daran, dass sie an speziellen schulischen Einrichtungen für Gehörlose nicht mit diesem Thema befasst waren. Auch ist die Deutsche Sprache sehr schwierig für Gehörlose zu verstehen. Denn der Deutsche Wortschatz umfasst auch eine Menge Wörter, die Gehörlose leider nicht kennen. Man muss andere Möglichkeiten der Aufklärung entwickeln, wie z.B. Videobotschaften in Gebärdensprache und vor allem visuell oder durch in einer einfachen klaren Sprache aufklären. Ohne die vielen komplizierten langen Sätze. Einfach, klar, deutlich.
Im Januar werde ich wieder in der DAH sein
Im Januar werde ich wieder in der DAH sein und mich diesmal mit der Buchhaltung beschäftigen. Das ist teilweise Pflicht für einen angehenden Kaufmann im Gesundheitswesen. Man muss schon etwas über das Rechnungswesen bescheid wissen. Und ich bin bereit, diese Erfahrung zu nutzen. Dass mein Praktikum in mehrere Bereiche aufgeteilt ist, halte ich für sehr sinnvoll, denn so lerne ich einzelne Abteilungen und deren Funktionsweise etwas kennen.
Ich bedanke mich bei allen, die mir diese Möglichkeiten der verschiedenen Praktika hier ermöglicht haben. Auch ist meine Schule begeistert von meinem Praktikumserlebnissen und will mich weiterhin auch in dieser Sache unterstützen.
Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern der DAH bedanken, dass Sie mich so gut aufgenommen haben und mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Ich hätte nie gedacht, dass mein Praktikum hier so gut verlaufen wird – und auch nicht, dass ich hier meine eigene Berufung finde.
Einen ganz besonderen Dank an Jörg Litwinschuh, dieser unterstützte mich vom ersten Tag an und erklärte mir geduldig meine Fragen und unterstützte mich sehr. Von ihm lernte ich viel, vor allem wie man mit der Presse kommuniziert und auch wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit über HIV und AIDS aufzuklären.
Wir sehen uns im Januar wieder – ich freue mich darauf!
Ich wünsche allen schöne Adventstage und vor allem ein schönes Weihnachtsfest!
Teil 5 | 14.01.2010
Drei Wochen Schule! Wie langweilig es dort doch war. Der Unterrichtsstoff war ziemlich trocken: Buchhaltung, Personalwirtschaft, Gewinn / Verlustrechnung. Einzig interessant fand ich das Fach Marketing. Dank meiner praktischen Erfahrungen bei Jörg konnte ich mit meinem Wissen in der Schule angeben. Viele waren sehr erstaunt, was ich alles während meines Praktikums gemacht habe und die Lehrer freuten sich für mich. Auch mein Schulleiter las den Blog. Danach hatte ich 2 Wochen Weihnachtsurlaub – verbrachte diese in Berlin/ Thüringen / Köln. Teils war in Oberhof sogar Langlauf möglich.
Bevor ich hier weiter von meinem Praktikum berichte, wünsche ich allen, die diesen Blog lesen, einen guten Start ins neue Jahr 2010. Sicherlich haben sich viele viel vorgenommen – ich wünsche jedem einzelnen, dass es gelingen wird.
Montag hatte ich meinen ersten Tag und bekam prompt mehr als 70 Weihnachtskarten die alle zurückgekommen sind, weil die Empfänger entweder nicht zu ermitteln, oder unbekannt verzogen waren. Also machte ich mich auf die Suche nach aktuellen Adressen. Und diese ordnete ich wieder in der Excel – Tabelle an. Ich hoffe, es kommt dieses Jahr weniger Post zurück. Jetzt bekam ich noch die Aufgabe alle Mitgliedsorganisationen der DAH anzuschreiben und ebenfalls um aktuelle Adressdaten bitten. Eigentlich eine leichte Aufgabe, da ich ziemlich schnell tippen kann. Bekam deswegen von Jörg dann auch eine bessere Tastatur, die nicht so laut ist.
Nebenbei beschäftige ich mich mit der Präventionsplanung gegenüber Gehörlosen und Schwerhörigen. Sammele Informationen und stehe anderen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite. Diese Aufgabe interessiert mich sehr. Und ist eine Herzensangelegenheit meinerseits.
Nach der Auswertung des Gehörlosentreffens in der DAH – das Protokoll lag mir erst im Januar vor – finde ich die Idee – dass es einen dauerhaft angestellten Mitarbeiter geben soll – der die Gebärdensprache erlernt, sehr gut. Dies ist jedoch keine sehr leichte Angelegenheit – das dauert sehr lange – aus meiner Sicht brauchte ich fast 5 Jahre um heute einigermaßen flüssig kommunizieren zu können. Das liegt aber auch daran – dass ich engen Kontakt zu einigen Gehörlosen pflege und daher auch regelmäßig in der Gebärdensprache kommuniziere. Ich könnte mir schon vorstellen, nach Beendigung der Weiterbildung in diesen Bereich tätig zu werden. Die Konzeption diesbezüglich soll ja erst 2011 abgeschlossen sein – genau das Jahr in dem ich meine Prüfung vor der IHK ablegen werde. Das werden wir aber sehen – bis jetzt kamen ja noch keine Anfragen bezüglich meiner beruflichen Zukunft nach der Ausbildung. Aber offen für eine Stelle als Ansprechpartner für Schwerhörige und Gehörlose und eine aktive Mitarbeit mit der Presse und den Vereinen könnte sich für mich als sehr interessant herausstellen. Als angehender Kaufmann im Gesundheitswesen kann ich mich auch in den Bereichen Buchhaltung, Personalwirtschaft, Marketing einbringen. Ich bin also flexibel
Ich merke schon, dass dieses Praktikum wieder mal interessant werden kann. Ich habe mir vorgenommen, Sonntag ins Cafe Positiv zu gehen – der Ort wo sich Gehörlose treffen und sich miteinander austauschen. Gerne möchte ich einen persönlichen Draht zu den gehörlosen herstellen. Der Aufbau von Vertrauen dauert bei Gehörlosen länger und da ich ebenfalls einer von denen bin – denke ich ist die Kommunikation wesentlich leichter und offener. Auch kann mein Selbstbewusstsein im Umgang mit meiner Behinderung und HIV auch gegenüber anderen vielleicht Schranken abbauen. Gerne möchte ich die DAH in diesem Anliegen in der Zukunft weiter unterstützen.
Die erste Woche ist um – heute beginnt die Fragestellung bei den einzelnen Abteilungen. Die Frage wo ich in der nächsten Zeit eingesetzt werden soll – Jörg braucht mich auch – und ich muss aber im Rahmen der Ausbildung auch etwas Buchhaltung / Personalwirtschaft machen. Kann sein, dass meine Arbeit aufgeteilt wird… mal da und mal da. Hauptsache, ich habe meinen Computer dabei
Teils will ich auch mit Martin an der Planung eines neuen Konzeptes bezüglich der Prävention und Integration gehörloser Menschen arbeiten. Da habe ich mir für die nächsten drei Wochen viel vorgenommen. Ich werde mich in der Szene umhören und teils will ich auch andere Mitarbeiter bei Fragen unterstützen. Sicherlich alles in Absprache und Zusammenarbeit mit Martin.
Für mein Praktikum im April habe ich schon eine Anfrage der Arbeiterwohlfahrt bekommen. Diese boten mir an – eventuell in der Personalwirtschaftabteilung / Qualitätsmanagement tätig zu werden. Das könnte meinen beruflichen Blickwinkel sicherlich erweitern. Zu gerne würde ich auch beim Felix Pflegedienst arbeiten. Dort könnte ich mich auf dem Gebiet der Abrechnungen mit den Krankenkassen weiter entwickeln.
Sicher würde ich mein Praktikum auch gerne bei der DAH – fortführen. Aber ich muss auch an meine berufliche Zukunft nach der Ausbildung denken. In den Praktika habe ich immer die Möglichkeit potentielle Arbeitsgeber von meinen Fähigkeiten zu überzeugen. Obwohl ich eher der Öffentlichkeitsarbeit zugeneigt bin – denn Buchhaltung ist nicht unbedingt aufregend und Abwechslungsreich
. Nichts gegen die Buchhaltung – aber dauerhaft könnte ich das nicht machen.
Teil 6 | 18.01.2010
Nun ist die zweite Woche um. War doch weiter bei Jörg im Presse- und Fundraisingbereich beschäftigt. Immerhin etwas zu tun. Das Aktualisieren der Kontaktdaten und auch das Recherchieren neuer Kontakte war an der Tagesordnung. Ich konnte also meine eigenen Tabellen erstellen und diese völlig neu anordnen. In diesem Bereich gibt es nichts Nennenswertes zu berichten.
Dann durfte ich zu Alex ins Büro und er erklärte mir die Finanzen der DAH – also wie die Gelder aufgeteilt sind. Da schwammen mir zig Zahlen vor den Augen rum. Aber Alex hat es wirklich gut erklärt. Nicht so trocken wie meine Lehrerin in Rechnungswesen.
Nach dieser Einführung war ich in der Finanzbuchhaltung und dort wurde mir erklärt wie Ausgaben verbucht werden. Der genaue Ablauf einer Rechnung bis zu deren Eintragung in die speziellen Unterkonten wurde mir von den Kollegen super erklärt. Das war mal was ganz anderes – als dass was ich in der Schule lerne, da ich mir ein genaues Bild der Buchhaltungspflicht machen konnte. Und das hat mein Interesse an den Finanzabteilungen gestärkt. Auch ist es immer gut, wenn man versteht was die anderen Kollegen alles leisten und welchen Arbeitsaufwand sie haben.
Heute war ich dann bei meinem Namensvetter und er erklärte mir wie die Projekte geplant werden (Finanzplan /Kostenplan) und wie die Beantragung der Gelder bei der BzGA erfolgt. Das ist ziemlich viel – einen ganzen Überblick über die Finanzen zu haben und zu wissen wie die verteilt werden. Und Kay beantwortete mir einige Fragen, die ich bezüglich Finanzgestaltung hatte. Ich danke ihm, dass er sich die Zeit genommen hat.
In der Zwischenzeit hatte ich noch ein Gespräch mit Martin und Dirk bezüglich des Protokolls des Gehörlosentreffens in der DAH. Wir besprachen die Auswertung und wie wir weiter vorgehen wollen. Auch haben Martin und ich über die „Positiven Begegnungen“ in Bielefeld gesprochen. Es besteht eventuell die Möglichkeit, dass ich zu dieser Veranstaltung mitkommen kann. Geklärt ist es noch nicht.
Nun darf ich dann endlich zu Silke Eggers und ich freue mich darauf.
Morgen habe ich ein wichtiges Vorstellungsgespräch bei der AWO Südost. Es geht um einen anderen Praktikumsplatz im Bereich Qualitätsmanagement und Personalabteilung im April 2010. Ich muss auch andere kaufmännische Bereiche kennen lernen und auch die Möglichkeit haben – meine Arbeitskraft anderen Unternehmen gegenüber zu beweisen. Denn schließlich möchte ich nach erfolgreicher Beendigung der Weiterbildung auch einen Arbeitsplatz finden. Und durch diverse Praktika kann ich mich weiterempfehlen und auch Einblicke in weitere Zweige im Gesundheitswesen bekommen. Das kann nur vom Nutzen sein. Sicher würde ich auch bei der DAH weitermachen – aber im Oktober komme ich ja wieder hier her. Der Praktikumsvertrag für diesen Zeitraum ist schon unterschrieben.
So und nächste Woche bin in bei Silke beschäftigt und dann endlich bei Martin und wir können die Gehörlosen- und Schwerhörigensache weiter verfolgen. Darauf freue ich mich auch schon. Ehe am 1. Februar die Schule weitergeht und ich dann Rechnungswesen und Marketing durchgehen muss. Ist auch schon interessant – aber die Praxis ist immer besser. Jörg gab mir einige Bücher mit – die ich bezüglich der Prüfung benötigen kann.
Wir sehen uns zwar nicht mehr so oft – da ich ja zwischen den Büros hier hin und her pendele. Aber sehr gerne bearbeite ich nebenbei die Sachen für ihn. Dafür habe ich immer irgendwie die Zeit.
So, ich werde euch auf dem laufenden Halten und euch berichten was ich bei Silke erfahren hab
Teil 7 | 28.01.10
Die dritte Woche ist durch. Die Zeit vergeht ja wirklich schnell. Zu schnell denke ich manchmal. Die Tage bei Silke stellten sich als spannend heraus. Ich kam zum ersten Mal in Berührung mit den Sozialgesetzbüchern und Silke erklärte mir wichtige Grundsätze. Ich sollte versuchen herauszufinden, was sich alles in den Sozialgesetzbüchern zu beginn des Jahres verändert hat. Pflegeversicherungsbeträge steigen und so ähnliches. Das ist ziemlich interessant, denn im Kaufmännischen Bereich benötige ich Kenntnisse über die Gesetzeslage. Ich sollte wissen, wo ich welchen Artikel finde um später auch mal schnell argumentieren zu können.
Heute sollte ich mich umfassend zur Datenspeicherung von ELENA erkundigen. Diese neue Form der Datenspeicherung halte ich aus meiner Sich für sehr verfassungswidrig. Denn ein Aufbau einer zentralen Datenbank mit brisanten Informationen wie Fehlzeiten , Kündigungsgründe , Streikteilnahme ist nicht erlaubt. Es verstößt gegen das Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung.
Es könne auch nicht sein, dass Arbeitgeber Kündigungsgründe und Abmahnungen angeben oder bei Entlassungen das “vertragswidrige Verhalten” schildern sollen, das zur Vertragsauflösung geführt hat. „Der ganze Datenbogen muss noch einmal kritisch nach solchen Absonderlichkeiten durchgesehen werden. Die bisherige Datenliste hat etwa 60 Seiten. Sie umfasst auch Daten zu Abmahnungen oder Streikteilnahmen.. Diese Sammelwut ist ein unverhältnismäßiger Eingriff in die – wie Juristen sagen – informationelle Selbstbestimmung der Betroffenen. Die Verarbeitung ist laut europäischer Datenschutzrichtlinie untersagt. Das muss eingehalten werden.
Das ELENA-Verfahren sieht vor, dass die zuständigen Behördenmitarbeiter nur die für die entsprechende Leistung benötigten Daten abrufen können. Auch bisher war es beispielsweise für die verantwortlichen Ämter möglich, eine Auskunft über die Kündigungsgründe eines Arbeitnehmers zu erhalten. Doch zukünftig sind derartige Informationen zentral gespeichert und jederzeit abrufbar. Auch wer keine Anträge auf staatliche Unterstützung stellt, wird durch das neue System erfasst. In Verbindung mit vielen weiteren Daten, die derzeit gespeichert werden, könnten nach wenigen Gesetzesanpassungen ohne großen Aufwand Personenprofile erstellt werden.
Noch ist nicht absehbar, wer in Zukunft den Zugriff auf die Datenbestände erhalten wird und welche Relevanz sie daher haben können. Die bisherigen Regelungen sehen nicht vor, dass Arbeitgeber oder Finanzbehörden Einblick in die gespeicherten Daten erhalten oder dass deren Beschlagnahmung durch eine Staatsanwaltschaft möglich ist. Hier sehen Befürworter des Verfahrens auch einen großen Vorteil, der immer wieder betont wird. Ein Arbeitgeber erfährt in Zukunft nicht mehr, wenn einer seiner Angestellten Sozialleistungen beantragt.
Die Kritik der Verbände und der Datenschützer wird bestimmt noch vor dem Bundesverfassungsgericht enden. Eine Speicherung solcher Daten könnte bzw. bedeuten: Ein Arbeitsnehmer war dauerhaft Krank – dies würde dann gespeichert werden und der neue Arbeitsgeber hat die Möglichkeit diese Gründe zu erfahren. Was bei mir Widerwillen aufstößt: Erfährt mein potentieller Arbeitsgeber die bisherigen Kündigungsgründe? Dann würden eventuell meine Beruflichen Chancen sinken.
Persönlich halte ich dies für Verfassungswidrig und bedenklich. Heute sind doch kaum Daten sicher – jeder der es kann – könnte die Datenbanken knacken und die Informationen an Unternehmen weiterleiten. Das halte ich für sehr gefährlich.
Nächste Woche bin ich bei Martin Westphal und den anderen beiden im Büro. Das wird meine letzte Woche hier sein. Auf die Schule freue ich mich langsam wieder. Momentan habe ich schon in meiner Freizeit die ganzen Handelsgesetzbücher durchgewurstelt und präge mir die Absätze und die Paragrafen des HGB ein. Ist zwar nicht notwendig, aber ich möchte den Kern der HGB verstehen und auch im Bilde sein, wenn ich mal einen Paragrafen zur Argumentation benötige. Danach fange ich mit dem Pflegegesetzbuch an – das wichtigste Buch – Versorgungsverträge, Leistungen für die Pflege das ist alles dort geregelt. Das muss ich wissen.
Na zu dieser Woche kann ich mich nur bei Silke bedanken, die mir geduldig einige Begriffe und Gesetze erläutert hat. Wir führten immer Gespräche nach meiner Auswertung – das war ziemlich gut – so konnte ich es mir einprägen.
Ab und zu erledige ich noch was für Jörg und die Fundraiser. Das ist mir auch sehr wichtig – und für Jörg mache ich es gerne.
Nächste Woche wird sich bestimmt als interessant herausstellen – denn ich komme in die PoBe Projektgruppe und kann mich mehr mit dem Thema Gehörlose befassen. Am Montag habe ich einen Termin bei jemandem im Gehörlosenverband – ich will gerne Kontakte knüpfen. Und ich mache mir auch schon Gedanken wie man diese Projekte vorantreiben kann. Zudem hab ich der IWWIT- Kampagne etwas geholfen – sie haben einen Gehörlosen in dieser Kampagne und ich konnte ihn dazu ermuntern, ein Video zum Thema in Gebärdensprache zu machen. Das ist sehr wichtig für die anderen +Gehörlosen Menschen. Sie müssen sich auch angesprochen fühlen und wer ist besser geeignet als dieses Rollenmodell? Ich finde es sehr schön, dass sich andere Abteilungen hier bemühen, auch die Gehörlosen mit einzubeziehen. Das kann nur vom Vorteil für beide Seiten sein.
So nun gehe ich erstmal Entspannt in das letzte Wochenende in Berlin
Teil 8 | 10.02.2010
Ich wollte meinen Blog eigentlich schon in Berlin schreiben, aber ich kam irgendwie nicht dazu. Nun muss ich den aus Schwerin schreiben. Auch ganz gut, viel Schnee liegt hier und langsam taut es und die Stadt ist eine einzige Matsch-Pampe.
Die letzte Woche bei der PoBe-Gruppe war zwar schon interessant aber leider war Martin krank und ich war fast alleine im Büro. So musste ich dann alleine zum Deutschen Gehörlosenverband gehen. Mit den dort zuständigen Personen wollte ich über Prävention und Aufklärung über HIV und AIDS gegenüber Gehörlosen und Schwerhörigen Menschen die Situation erläutern und ausloten welche Möglichkeiten wir haben. Der Gehörlosenverband ist sicherlich sehr interessiert daran etwaige Veranstaltungen zu organisieren mit der DAH. Wir erstellten gemeinsam ein Konzept mit der Planung und Gestaltung von möglichen Seminaren. Diese Aufgabe reizte mich sehr.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Gehörlosenverband zu organisieren – das ist meiner Wunschaufgaben. Und der Gehörlosenverband würde mir die Räume zur Verfügung stellen und auch dort am schwarzen Brett Informationen aushängen.
Na und die andere Zeit im Büro verbrachte ich eher mehr mit dem möglichen Kosten der Teilnehmer zur PoBe in Bielefeld. Ich musste anhand der Zahlen aus dem letzten Jahr errechnen,. wie viel Geld wir von den Teilnehmer bekommen haben damit wir eine grobe Schätzung abgeben können wie hoch dieses Jahr die Ausgaben sein werden.
Zahlenspiele also
Peter und Claus waren bei dieser PoBe Konferenz und ich saß ganz alleine im Büro – schönes Büro mit diesen ganzen Pflanzen.
Dirk und Stefan fragten bei mir an ob ich mich auf der PoBe in Bielefeld nützlich machen möchte. So als Dolmetscher wenn Sie mit anderen Gehörlosen kommunizieren. Ich sagte zu und hoffe sehr, dass ich mit nach Bielefeld kommen kann. es geht ja nur noch um die Bewilligung der Kosten wie Übernachtung und Fahrtkosten. In Bielefeld bin ich zufälligerweise aufgewachsen. Neun Jahre habe ich dort gelebt in einem Bauernhaus bei Halle/Westfalen. Die Schule habe ich in Schildesche besucht und es waren ganz lehrreiche Jahre. Kerstin fragte schon an ob ich nicht mit denen eine Stadtbesichtigung mache und denen schöne Orte und Treffpunkte in Bielefeld zeige. Ich freue mich schon sehr darauf.
Der letzte Tag: Alex nahm seine Arme um meine Schultern und sagte mir, dass meine Kraft gebraucht wird. Denn die einzelnen Posten hier ziehen nun um. Jörg und Markus wechseln das Büro – ausgerechnet ich hatte das Büro im Oktober letzten Jahres noch Tipp Topp aufgeräumt und nun durfte ich dann alles wieder in die Kisten packen und ins andere Büro schleifen. Ich hoffe ich habe kein Chaos angerichtet??
Am Ende machte ich dann noch meine Fundraising Aufgaben zu Ende und ordnete alle Kontaktlisten, damit es hier einen aktuellen Überblick über unsere Presse und AIDS Hilfen gibt. Ich verlasse meinen Arbeitsplatz immer ordentlich und beende vorher alle meine Aufgaben. Am letzten Tag beschlich mich dann noch eine Sentimentalität… Ich merkte wie sehr mir alle hier fehlen würden. Inzwischen habe ich alle hier lieb gewonnen und arbeite wirklich sehr gerne hier. Ich wusste eigentlich gar nicht, dass ich hier so geschätzt werde
Musste zum Abschied mehrere Leute umarmen und mehrere bedauerten es, dass ich erst im Oktober wiederkomme. Mit Alex machte ich aus, dass ich mein Postfach erstmal behalten darf. Denn ich habe in vielen Projekten meine Finger drin
Der Abschied von Kerstin fiel auch echt schwer – Sie bat, dass ich bleiben sollte und nahm mich noch mal feste in den Arm. Danach machte ich meine Abschiedstour bei den anderen Abteilungen.
Was ich toll fand, dass Erika mir noch mal kurz die klassische Buchhaltung erklärte und den Unterschied zu dem Softwareprogramm erklärte. Und auch, dass ich fand, dass Buchungssätze immer knapp und deutlich formuliert werden müssen, damit man am Ende auch den genauen Zweck zurückverfolgen kann.
Na und nun war meine erste Woche in Schwerin zu Ende und ich hatte die ganze Woche Kaufmännisches Rechnen und Wirtschaft. Das war diesmal nicht so langweilig, denn inzwischen, je länger ich in der Weiterbildung bin- desto mehr fühle ich mich langsam wie ein angehender Kaufmann. Obwohl ich oft denke, nur um in einer Projektgruppe zu arbeiten, sei der Abschluss zu hoch. Daher gewöhne ich mich langsam an den Gedanken eventuell auch Personal – und Finanzbuchhaltung gegenüber offen zu sein. Und nebenbei die Projekte leiten.
In Schwerin bekam ich eine Anfrage von Hinnerk. Hinnerk möchte mit mir ein Interview machen. Es wird wohl um HIV und so gehen. Also sagte ich gerne zu. Öffentlichkeitsarbeit ist mir auch sehr wichtig – auch wenn ich mich dadurch öffentlich Oute als Positiver – wie die Auswirkungen sein werden – das werde ich wohl erst danach erfahren. Aber es könnte mir eine größere Stimme verleihen in meiner Präventionsarbeit. Nächstes Wochenende findet in Berlin das Interview statt. Es entstand auf der Vermittlung von Holger Wicht. Inzwischen ist ja das Rollenmodell Christian bei IWWIT – sehr präsent in der Öffentlichkeit. Es fällt mir sehr positiv auf, dass das Thema Gehörlose immer mehr eingebunden wird. Von diversen Abteilungen der DAH. Das finde ich bemerkenswert und finde es echt toll, dass Gehörlose nun einen festen Platz in der Prävention einnehmen werden.
Darauf will ich weiter aufbauen. In der Schule bekomme ich in EDV nun einen speziellen Unterricht. Zugeschnitten auf eventuell spätere Arbeitsaufgaben. Ich bekomme eine genaue Einweisung in Powerpoint. Damit ich später in der Lage bin eigene Präsentationen erstellen zu können. Mein Wunsch wäre es eigentlich, regelmäßige Informationsveranstaltungen für Gehörlose und Schwerhörige zu organisieren. Die Schule hier in Schwerin unterstützt mich sehr in meinem bestreben. Auch weil Sie merken, dass ich das Potential dazu habe und trotz der Krankheit immer noch sehr gut in der Lage bin zu arbeiten.
Ich denke mal vielleicht sollte ich meinen Blog weiterführen und euch alle auch weiterhin mit Informationen speisen… So kann man auch die lange Zeit bis Oktober überbrücken. Und ihr seid alle auf den neuesten Stand von meinem Schulbesuch. Und erfährt was ich so nebenbei mache – Freunde von mir finden diesen Blog sehr interessant. Sogar mein Klassenleiter verfolgt diesen Blog und fragt mich oft über Dinge die HIV und AIDS betreffen.
So, ich denke oft zurück an die Zeit bei der DAH und danke allen dafür, dass Sie geduldig meine Fragen beantworteten und mir hilfreich zur Seite stehen. Manchmal denke ich, mein Praktikum bei der DAH hat mir Gewissheit gegeben indem was ich später machen möchte. Auch danke ich vielen Freunden wie Rainer J. die mich andauernd weiter ermuntern diesen Weg einzuschlagen.
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